atelier
Barbara Goertz
Zur Entstehung meiner Bilder

Zunächst ist da ein grosses Interesse für Makro- und Detailaufnahmen von natürlichen Oberflächenstrukturen: Erdreich, Hölzer, Fundstücke, Steine und Mauerwerk. Alte - durch Licht, Wind und Wassererosion zerstörte und ausgewaschene Hausfassaden - mit ihren sichtbar gewordenen über Jahrzehnte entstandenen untereinanderliegenden Farbanstrichen.

Schönes ist überall um uns herum zu finden, wenn man sich die Zeit nimmt, hin zu schauen. Kunst entsteht im Auge des Betrachters, der in Bildern und Bildkompositionen sieht. Mit diesem Blick auf meine eigenen reliefartig gemalten Bilder entstanden Detailaufnahmen von kleinsten Partien. Diese lieferten nicht nur surreal anmutende Fotografien, sondern waren oft Inspiration für neue Bildkompositionen meiner abstrakten Malerei. Manchmal wird sogar auf einem Foto weitergemalt. Jedes gemalte Bild birgt somit die "Saat" für ein neues Werk, was daraus "geboren" wird... So läßt sich in einer Art Spurensuche der Weg eines jeden Bildes zurückverfolgen.

Um dem Natürlichen in meiner Malerei mehr Bedeutung zu verleihen, wollte ich der für die Entwicklung der Bilder mehr Raum lassen. So entstanden in Erdtönen gehaltene Strukturbilder, deren Oberfläche Zeugnis ihrer Entstehung sind. Es werden bewußt Spuren hinterlassen: Wasser bahnt sich ganz natürlich den Weg um Farbkrusten herum, nimmt Pigmente mit. Unterschiedliche Materialien treffen aufeinander, Farbgeflechte und natürliche Materialrisse entstehen. Lasuren lassen Durchblicke auf darunterliegende Farbschichten zu, freigelegte Farbreste und Rost arbeiten sich durch Aufbrüche von Strukturpasten. Lange Trocknungsphasen - das Ergebnis mit Spannung am nächsten Tag erwartet...

Auf der Leinwand wird experimentiert: Lacke, Acryl- und Ölfarben, Steinmehl, Pigmente, Kreide, Sand und vieles mehr fliessen miteinander im bunten Materialmix in die Bilder ein. Trotz aller Komposition spielt aber auch der Zufall eine Rolle. Mehr noch der Mut, immer wieder Teile zu zerstören oder zu übermalen; Entwicklungen zuzulassen, und sich experimentierfreudig immer neuen Möglichkeiten zu öffnen. Nicht jederzeit zu wissen, wie die Materialien sich miteinander entwickeln, welchen Weg sie nehmen, als Beobachter und "Dirigent" dabei zu sein, macht diese Art der Malerei zu einem spannenden Erlebnis.

© 2000-2010 Barbara Goertz